Sonntag, 9. Oktober 2011

Bitte recht freundlich

Warum Respekt, Achtung und Höflichkeit keine altmodischen Tugenden sind

Pünktlichkeit ist die Höflichkeit der Könige. In unserer multimedialen, vernetzten Zeit scheinen jedoch noch ganz andere Tugenden auf der Strecke geblieben zu sein. Selbst die Mitarbeiter des populärsten Online-Auktionshauses klagen über den rüden Umgangston von einigen Kunden. ‘Die vergessen, dass da auch Menschen sitzen’, schrieb mir einmal eine Dame des Kundenteams. In der Anonymität kann sich jeder hervorragend verstecken und Unverschämtheiten loslassen, die einem sonst nicht unbedingt so locker über die Lippen gleiten, wenn einem jemand gegenübersteht. Am Telefon hingegen und per E-Mail fallen jegliche Hemmschwellen.

Mehr Respekt bringt weiter

Ohne guten Umgang kommt aber niemand im Leben sehr weit. Weder beruflich noch privat. Selbst wenn das im Job heutzutage den Anschein haben mag, dass nur der, der am lautesten ‘Hier’ schreit den besten Posten bekommt. Es gibt ausreichend Beispiele dafür, dass sich auf lange Sicht ein guter Ton auszahlt. Der Managementtrainer Thomas Baschab und der Unternehmensberater Peter Prange haben in ihrem Buch ‘Träume wagen!’ Regeln für eine glücklichere Lebensphilosophie aufgestellt und formulieren unter Regel Nr. 2 den Grundsatz: einander fördern. ‘Wenn ich als Unternehmer meinen Kunden keinen wirklichen Nutzen biete, sondern nur auf meinen eigenen Vorteil bedacht bin, ist es nur eine Frage der Zeit, wann ich meinen Kunden verliere.’ Das Fazit der Autoren lautet sogar: ‘Geben ist seliger als Nehmen! Denn wer nicht gibt, dem wird genommen.’ Auch der Unternehmensberater Moritz Freiherr Knigge, dessen berühmter Vorfahr mit seiner Benimm-Bibel in die Geschichte einging, appelliert daran, anderen gefällig zu sein. Denn von diesem - echten - Entgegenkommen profitieret jeder früher oder später. ‘Gefälligkeit und Entgegenkommen machen den strategischen Aspekt der Höflichkeit aus, denn Gefälligkeiten haben ihren Preis, sie verpflichten den Empfänger zu Gefälligkeiten bei anderer Gelegenheit und zahlen sich daher im Privatleben wie im Geschäftsleben aus’, konstatiert der Autor des Buches ‘Spielregeln. Wie wir miteinander umgehen sollten.’

Auch in Beziehungen höflich sein

Jede Art von Beziehung ist ein Geben und Nehmen. Wer sich dessen total verweigert, hat laut dem Psychotherapeuten Bert Hellinger keine Beziehung. Noch schlimmer ist es allerdings, wenn Menschen unbedingt im Recht sein wollen und jede Diskussion als Machtkampf verstehen, bei dem es um Sieg oder Niederlage geht. Wer stur auf seinem Recht und seiner Meinung beharrt, der schafft sich über kurz oder lang nur Feinde und isoliert sich. Er nimmt sich auch die Möglichkeit zur Selbsterneuerung und wird irgendwann verbohrt oder greisenhaft. Ein solcher Mensch nimmt sich die Chance, von anderen zu lernen. Denn gerade im Austausch mit anderen können wertvolle Erkenntnisse und Sichtweisen gewonnen werden, wenn nicht jeder stur auf seinem Standpunkt beharrt, sondern die Kommunikation als Austausch von Information versteht. Abgesehen davon hilft das Verständnis für den anderen, dass dieser auch auf einen selbst eingeht. Mit Drohungen wie: ‘Ich will sofort diese Akte sonst werfe ich Sie hinaus.’ erreicht ein Vorgesetzter nur die Feindseligkeit seiner Angestellten, die sich auf eine andere Art an ihrem Chef rächen werden. Hingegen schafft ein angenehmer Umgangston eine gute Atmosphäre, die sich in mehr Leistung der Mitarbeiter zeigt. Auch in funktionierenden, längerfristigen Partnerschaften zeigt sich, dass diese Paare auffällig höflich und aufmerksam miteinander umgehen. Dieter Thomas Heck sagt seiner Frau Hella öfter ein liebes Wort und bringt ihr ohne Grund Blumen mit. Ein Sprichwort besagt, dass Liebe alles durchdringt, während Hass immer vor einer Wand steht. Es lohnt sich also auf allen Ebenen, achtsam miteinander umzugehen - um seiner selbst und um anderer willen.
(c) Corinna S. Heyn

Literatur:

Moritz Freiherr Knigge, Spielregeln. Wie wir miteinander umgehen sollten. Gustav Lübbe 2004;

John Selby, Wer warten kann hat mehr vom Leben. Wartezeiten sinnvoll nutzen. Kösel 2000;

Thomas Baschab/Peter Prange, Träume wagen! Der mentale Weg zum Erfolg. Knaur 2001;

Bodo Schäfer, Die Gesetze der Gewinner. Erfolg und ein erfülltes Leben. dtv 2003

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